Guédelon, eine Reise ins 13. Jahrhundert

Guédelon, die Idee

Guédelon_Seitenansicht
Seitenansicht der Burgbaustelle©Antje Seele

Guédelon ist immer noch eines meiner absoluten Lieblingsprojekte in ganz Frankreich.
Michel Guyot ist der Schlossbesitzer von St. Fargeau. Er erfährt während der 90-er Jahre, dass unter seinem Schloss eine weitere Burg existiert. Dieser Gedanke lässt ihn nicht seitdem nicht mehr los. Aus diesem Grund beschließt er, ein neues Projekt ins Leben zu rufen. Die Idee war, ausschließlich mit den Mitteln des 13. Jahrhunderts eine ganze Burganlage neu zu errichten – also ohne den Einsatz moderner Technik wie Kräne oder Baumaschinen.

Eine unkonventionelle Erfolgsgeschichte

Guédelon_Steinmetze
Die Steinmetze©Antje Seele

Nach vielen Vorbereitungen und Verhandlungen geht das Projekt schliesslich 1997 an den Start.
In einem aufgelassenen Steinbruch wird die Burgbaustelle Guédelon begonnen. Wurde das Projekt anfangs belächelt, so ist es heute eine ganz große Erfolgsgeschichte geworden. Und zu Recht! Ich bin schon dreimal in Guédelon gewesen und es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein.

7 Hektar mitten im Eichenwald

Guédelon_Schilder
Liebevolle Beschilderung©Antje Seele

Das Baugelände von Guédelon erstreckt sich über mehr als 7 Hektar bewaldetes Terrain.
Es gliedert sich in drei Abschnitte:
die Burg mit den Baugewerken
ein Dorf mit der Ziegelbrennerei, der Farbwerkstatt, den Ställen und den Tieren
den Wald und die Mühle

Wissenschaft zum Anfassen

Guédelon_Ziegelerstellung
Wie werden Ziegel gemacht?©Antje Seele

Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen haben sich hier zusammengetan, um dieses einzigartige Projekt zu verwirklichen. Viele der angewandten Bautechniken waren völlig in Vergessenheit geraten und mussten demzufolge erst einmal nachvollzogen und neu gelernt werden. Das Ergebnis dieses Experiments kann sich sehen lassen: im Zentrum steht die Baustelle der Burg und darum herum ein ganzes Dorf von „Zulieferern“. Als wären Sie mit einer Zeitmaschine gereist, können Sie so auf einem Rundgang die vielen Facetten der mittelalterlichen Baustelle genau erkunden.

Mühsamer Fortschritt

Guédelon_Handwerker
Korbflechter bei der Arbeit©Antje Seele

Zu sehen, wie mühsam so ein Bauwerk in der Realität entsteht, und das vor hunderten von Jahren, ist lebendiger Geschichtsunterricht. Ca. 70 in mittelalterliche Gewänder gekleidete Handwerker arbeiten hier. Guédelon ist also eine funktionierende Baustelle. Hier wird nichts in Szene gesetzt. Die Handwerker beginnen täglich eine Stunde bevor die ersten Besucher kommen. Sie folgen in ihrer Tätigkeit den realen Anforderungen des Baues. Es gibt zum Beispiel Steinmetz, Korbflechter, Schmied, jeder der Handwerker ist ein Meister seines Faches und immer zu einer Erklärung bereit. Ab 10 Uhr kommen die ersten Besucher, die auf einem Rundgang fast alle Bereiche besichtigen können.

Alte Handwerkstraditionen

Guédelon_Pferdegespann
Transportmittel des 13. Jahrhunderts©Antje Seele

Es gibt auf der Baustelle infolgedessen keine modernen Werkzeuge. Jedes „Gewerk“ hat seine eigene Hütte, es werden Steine behauen, Kalk produziert, Seile und Körbe geflochten, Tonziegel geformt und vieles mehr. Mühevoll wird hier in Handarbeit erstellt, was wir heute ohne viel Aufwand kaufen können: Dachschindeln, Körbe, Töpferwaren, Fliesen, Nägel, Werkzeuge, Seile, Balken, Wolle und Kleidung. Die Güter werden mit Pferd und Karren transportiert, genauso wie damals. Zement und Schrauben werden nicht verwendet, stattdessen wird auf der Baustelle aus Sand, Tonerde und gelöschtem Kalk Mörtel hergestellt.

Der Wald und die Mühle

Guédelon_Stall
Der Stall©Antje Seele

Holzfäller schlagen die Eichen-Bäume dementsprechend nach einem präzisen und durchdachten Fällplan im Wald von Guédelon: Das heisst genau dieser Baum aus dieser Sektion mit dieser Höhe wird als Sturz eines Kamins oder als Trägerbalken genutzt. Jede Fällung folgt einer im Voraus definierten Konstruktionsanforderung.

Die Mühle befindet sich ebenfalls auf dem Gelände, etwa 500 m von der Baustelle entfernt, mitten im Wald von Guédelon. Hier erklärt Ihnen der Müller den Bau und die Funktionsweise seiner Mühle. Lauschen Sie den Klängen des Wassers und der Mühlsteine und lassen Sie sich von der Magie des Ortes verzaubern!

Zukunft

Guédelon_Innengewölbe
Das Innengewölbe©Antje Seele

Voraussichtlich noch bis 2025 arbeiten Handwerker und Freiwillige an der Burg. Die Umsetzung dieser mittelalterlichen Großbau- und Wehranlage von Anfang bis Ende in unserer Zeit ist einmalig. Die Baustelle hat sich innerhalb weniger Jahre zu den Spitzenreitern der französischen Kulturstätten gesellt. Mit seinen inzwischen 70 Mitarbeitern finanziert sich dieses verrückte Abenteuer einerseits aus den Eintritten, andererseits aus den Verkäufen der Boutique und der Restaurants vor Ort.

Monsieur Guyot, Leiter und Ideengeber von Guédelon, ist ja auch der Schlossherr von Saint Fargeau, dem nahegelegenen Schloss mit seiner tausendjährigen Geschichte. Zum Chateau Saint Fargeau wird es bald einen weiteren Blogartikel geben.

St. Fargeau Burgund Urlaub
Château St. Fargeau ©Antje Seele

Sie können Guédelon auf der Reise Burgund zauberhafter Norden besuchen, oder auch auf meiner neuen Familienreise ins Burgund.

Bleiben Sie gesund. Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Antje Seele

About Author

client-photo-1
Antje Seele
Ich bin Antje Seele. 2008 hab ich meinen Traum erfüllt und den Reiseveranstalter Tour Exquisit gegründet. Mein Herz schlägt vor allem für die Weinregionen in Frankreich, Italien, Deutschland und Portugal. Ich habe einige Jahre in Frankreich gelebt – meine Reisen sind gespickt mit persönlichen Erfahrungen. Vorher habe ich Architektur studiert und anschließend als Projektmanagerin vier Jahre bei Airbus gearbeitet. Ich liebe , was ich tue, und stelle in diesem Blog gerne alles das vor, was zu meinen Reisen gehört: stilvolle Unterkünfte und Restaurants, Winzer und Weine, Reiseleiter, Gastgeber, neue Reiseideen, Rezepte und vieles mehr.